23. Mannheimer Filmsymposium »Eros und Tod«
Eros und Tod – Leidenschaft und Grenz-Erfahrungen im Film
veranstaltet von CINEMA QUADRAT e.V.
In Zusammenarbeit mit den Bundesverbänden: BV kommunale Filmarbeit e.V., bv kamera e.V., BV Filmschnitt-Editor e.V., S/F/K-Verband e.V., AG DOK, AG Kurzfilm und dem Verband der deutschen Filmkritik
Konzeption:
Die Verbindung von Eros und Tod ist kulturhistorisch gesehen ein uraltes Thema und beschäftigte bereits die alten Griechen. Auch im Film zählen Tod und Eros seit Anbeginn zu den großen Themen. Im diesjährigen filmkundlichen Symposium werden wir wieder einen spannenden, facettenreichen Diskurs entfalten, in dem gerade das, was Kino sehenswert macht – Leidenschaft und Grenzerfahrungen auf der Leinwand – immer wieder neu und anders erfahren und erlebt werden kann.
Auch frühere Themen wie »Raum« und »Zeit« oder »Wahrnehmung« waren als Themen universell, in der Auffächerung des Symposiumprogramms aber wiederum für die Teilnehmer erkenntnisreich.
Primär steht im Vordergrund, was der Film in seinen verschiedenen Ausgestaltungen (Spielfilm, Dokumentation, Kurzfilm) zu diesen grundlegenden Diskursen über das menschliche Handeln und Denken zu Tod und Eros und die Raffinessen der Umsetzung beizutragen hat. Wie sich die Themen und stilistischen Umsetzungen in Abhängigkeit von technischen Entwicklungen und vom Zeitgeschmack des Zuschauers im Laufe der Filmgeschichte veränderten, wird ein weiteres Thema sein.
Im Genrekino spiegeln z.B. die Vampir-Filme eine besondere Verbindung von Eros und Tod, wenn der die erotische Eroberung symbolisierende Biss einerseits tödlich für das normale Leben ist und andererseits zu einem untoten Dasein verdammt. Dabei ist interessant zu beobachten, wie über die Jahrzehnte hinweg von den Klassikern der Stumm- und frühen Tonfilmzeit über die Sex- und Trash-Produktionen der 60er und 70er Jahren bis hin zu modernen Wiederbelebungen wie
Blade und
The Addiction das Genre Wandlungen durchlief und immer wieder andere Aspekte des ewig Gleichen entdeckte. Auch die meist »tödlichen« Frauen im Film Noir vereinen die Elemente Eros und Tod in sich und vermitteln die Erfahrung, dass eine erotische Erfahrung nur mit dem Tod oder dem Töten eines anderen – meist sogar mit beidem bezahlt werden muss.
Im zunehmend auch in Europa bekannter werdenden japanischen Kino und auch in amerikanischen Großproduktionen leben die Geister Verstorbener unter uns oder kommunizieren mit uns aus einer Zwischenwelt (z.B.: Die
Ring-Trilogie,
The 6th Sense,
The Others,
Ghost – Nachricht von Sam,
Constantine,
Stadt der Engel). Eine besonders interessante Begegnung mit den Toten liefern die Verfilmungen des Romans »Solaris« von Stanislav Lem, wenn die Toten aus der Erinnerung der Lebenden wiedergeboren werden und eine eigene Persönlichkeit in Abweichung von den Verstorbenen entfalten.
Immer wieder gibt es die Frage nach dem Erleben im Sterben. Läuft dabei ein Film des Lebens ab? Eine Reihe spannender Filme, die aber kaum bekannt wurden beschäftigt sich damit, verschlüsselt das Geschehen aber zugleich wieder, so dass man erst am Ende erahnen kann, dass man eine fiktive Sterbefantasie gesehen hat (
Stay,
Zimmer 1408,
Carnival of Souls,
Yella)
Die Beschreibung oder Darstellung erotischer Erfahrung als Todeserfahrung ist uns allen aus bildender Kunst und Literatur geläufig. Welche Assoziationen und Bilder liefert uns der Film zum tödlichen Eros oder auch zum »vergifteten Eros«?
Wie in der Literatur durchzieht auch die Personifizierung des Todes die Filmgeschichte vom
Müden Tod über
Das 7. Siegel bis zu
Rendezvous mit Joe Black – welche Wirkungen löst dies aus, welche Rollen nimmt der Tod ein neben der, das Leben zu nehmen?
Die Thematisierung des Eros birgt natürlich auch immer wieder Fragen der Zensur – und soweit sie rigide war – ihrer Umgehung. Was ließ sich Hollywood nicht alles einfallen, um den Production Code zu umgehen und wie viel erotische Fantasie entfacht die Zensur?
Auch der Dokumentarfilm kann Beiträge liefern: über das Leben und Sterben im Krieg und über die verkappte Todessehnsucht eines Kriegberichterstatters oder dadurch, dass Tabuthemen wie Sterbehilfe oder HIV-Infektion aufgegriffen und diskutiert werden.
Die Mannheimer Symposien sind immer auch ein Dialog zwischen Produktion und Rezeption, zwischen denen, die bei der Gestaltung der Filme beteiligt sind und denen, die sie sehen, und analysieren. Auch diesen Dialog werden wir fortsetzen und erwarten deshalb auch spannende Beiträge der Kooperationspartner.