Werkschau: Die Filme Tony Bubas
»I focus on my hometown because I am continually challenged to create new ways of seeing it…I want to convey the humor and the quirkiness of people in one community, my community, using cinematic forms that fit the tone, rhythm and texture of their stories.« Tony Buba
Text zur Filme von Tony Buba von Jennifer Jones
Tony Buba ist einer der herausragenden Vertreter des US-amerikanischen Independent-Films. Mit Humor, Leidenschaft und Verbundenheit mit den ›Working Class Heros‹ seiner Heimatstadt Braddock, Pennsylvania, einem Vorort von Pittsburgh, hat Buba ein Werk geschaffen, das den Aufstieg und Fall der berühmten ›Steel City‹ brilliant dokumentiert.
Buba lädt seine Zuschauer ein, den Blick für die ›wirkliche‹ Welt wieder zu entdecken, indem er sie mitnimmt in den Alltag, das ›street life‹ der Provinz der US-amerikanischen Ostküste. Seit 1974 hat er mehr als 20 Filme über seine Heimatstadt Braddock gedreht und darin eine Art Langzeitstudie über den Niedergang der ehemals boomenden Industrieregion Pittsburgh realisiert. Er geht auf die Schicksale der einzelnen Menschen, die Unternehmen, Gebäude, Schulen und Familien ein. Die Parallelen zum Ruhrgebiet in Deutschland oder Städte wie Sheffield und Birmingham in Yorkshire sind mehr als offensichtlich.
Es ist vielleicht kein Zufall, dass Buba auch als Tonengineur und Zombie-Darsteller bei
Dawn of the Dead des Pittsburgh-Filmemachers George A. Romero mitgewirkt hat – Pittsburgh ist die erste und berühmteste ›Zombie Town‹, was nicht zuletzt als Romeros kultureller Kommentar zum Abstieg ›seiner‹ Stadt zu lesen ist. In Anbetracht der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im November 2008 (Ich denke hier an Barrack Obamas Slogan »Die Kühnheit der Hoffnung«) ist es heute für ein Verständnis der sozio-ökonomischen und psychologischen Beschaffenheit der amerikanischen Kultur vielleicht wichtiger sich nicht immer nur mit dem »Ausnahmezustands«-Getue zuzuwenden, das die gesellschaftliche, künstlerische und kritische Produktion nach dem 11. September im urbanen Amerika beherrscht hat, sondern sich vielmehr auf das zu konzentrieren, was hinter dem politischen Aktivismus in den kleinen Gemeinden steckt sowie auf die Visionen und kreativen Unternehmungen, die sich hier finden.
Basierend auf einem Stil, der mit dem cinema verité verwandt ist, hat Buba über die langjährige filmische Visualisierung seiner Heimat seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt, den er »Exploding Documentary« nennt. Er widmet sich dem Alltagsleben, indem er sein Dasein, nicht allein als Filmemacher, sondern auch als Nachbar, Kollege, Freund, Bruder, Sohn und aktives Mitglied der Community reflektiert. Es ist genau diese (Selbst-)Reflexion in Verbindung mit seinem scharfen Sinn für Parodie, die seine Filme davor bewahrt, in eine Romantisierung der legendären Stahl-Epoche umzuschlagen.
Bubas Filme sind bereits in Filmreihen im Museum of Modern Art, im Whitney Museum of American Art, in den Anthology Archives, im Carnegie Museum of Art und mehr als 100 weiteren Museen und Universitäten gezeigt worden. Würdigungen und Auszeichnen hat er erhalten vom NEA, AFI und der Rockefeller and Guggenheim Foundations sowie dem Pennsylvania Humanities Council. Seine Filme liefen ferner auf zahlreichen internationalen Festivals, u.a. Berlinale, Buenos Aires, Toronto und Birmingham Film Festival.
Veranstaltungsort: FilmForum NRW