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Berliner Lektionen 08|09

Sieben Sonntagsmatineen mit acht Persönlichkeiten – ab Oktober 2008

Die Vortrags- und Gesprächsreihe »Berliner Lektionen« stellt Ihnen in der neuen Saison 08|09 Persönlichkeiten vor, die in sieben Sonntagsmatineen über ihr Leben und Wirken sprechen.

Der Historiker Christopher Clark analysiert die Geschichte Preußens – er sieht den preußischen Staat nicht als Vorläufer der nationalsozialistischen Diktatur und setzt damit die Diskussion über das preußische Erbe wieder in Gang. Der in Cambridge lehrende australische Wissenschaftler unterrichtet Neuere Europäische Geschichte. Mit der deutschen Geschichte setzt sich Clark seit Mitte der achtziger Jahre auseinander. Nach dem 2007 publizierten Band »Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947« (DVA), wofür er den angesehenen Wolfson-Preis erhalten hat, veröffentlicht der Wissenschaftler nun das Porträt des letzten deutschen Kaisers und stellt Fragen nach der bisherigen medialen Wahrnehmung des Herrschers. »Wilhelm II.« von Christopher Clark erscheint am 4. Oktober 2008 bei der DVA. Am 26. Oktober 2008 eröffnet Christopher Clark die diesjährigen »Berliner Lektionen« mit »Ansporn, Fälschung, Nostalgie. Preußenbilder im Wandel« (in deutscher Sprache).


Der politischste Filmregisseur Deutschlands und engagierter Begleiter der zeitgenössischen Geschichte Volker Schlöndorff hält seine »Berliner Lektion« am 9. November 2008.
Filme wie Der junge Törless, Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Die Blechtrommel, Homo Faber, Tod eines Handlungsreisenden, Die Stille nach dem Schuß, Der neunte Tag u.a. stellen Schlöndorff in die Reihe der wichtigsten Regisseure seiner Generation. Seine Filmkarriere gleicht der seiner berühmten Regie-Vorgänger der Vorkriegszeit. Solides Handwerk und Kreativität verbunden mit konsequenter Erweiterung eigener Kunst bringen zahlreiche Ehren und Auszeichnungen. Nicht zu unterschätzen ist Schlöndorffs Engagement für Rettung und Neuaufbau der DEFA-Studios in Babelsberg. Im August 08 ist seine Autobiographie »Licht, Schatten und Bewegung« im Hanser-Verlag erschienen.
Der Oscar-Preisträger, ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären der Berlinale, dem Blauen Engel und anderen Filmtrophäen, Mitglied der Europäischen Filmakademie, Träger des Ordens der französischen Ehrenlegion, spricht am 9. November 2008 über Film und Gesellschaft: »Braucht der Mensch eine Identität?«


Helmut Lachenmann, einer der größten zeitgenössischen Komponisten Deutschlands, zeigt sich selten in öffentlichen Foren. Musik ist sein Ausdruckmittel. Konsequent entwickelte Lachenmann eine Musique concrète instrumentale. Die Hamburger Uraufführung seines Musiktheaterstücks »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern« 1997 war nicht nur ein künstlerisches Ereignis. Nachgespielt wurde die Komposition in Paris, Stuttgart und Tokio (Neufassung 2003). Mit seiner Ästhetik hat Lachenmann eine ganze Generation von Komponisten beeinflusst. »Nicht das Erlebnis von Schönklang ist das Ziel seines Komponierens, sondern die Erfahrung von Anordnung und Verwandlung ungewohnter Klangereignisse.«


Peter Ruzicka ist eine starke Persönlichkeit des Kulturbetriebes, Musiker und Manager, Komponist und Festspieldirektor. Seinem eigenen musikalischen Schaffen hat er 1996 die Funktion des künstlerischen Leiters der Münchner Biennale (nach Hans Werner Henze) hinzu gesellt. Neben der Beratung des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam (seit 1997), der Präsidentschaft der Bayerischen Theaterakademie (seit 1999) und der 5-jährigen Intendanz und künstlerischen Leitung der Salzburger Festspiele (2001 – 2006) ist Ruzicka künstlerisch aktiv. In dieser Saison dirigierte er u.a. die Staatskapelle Berlin und das NDR-Sinfonieorchester. Er unterstützte Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner in ihrem gemeinsamen Konzept zur Führung der Bayreuther Festspiele.
Für beide Komponisten, Lachenmann wie Ruzicka, ist das Nachdenken über Musik im Verhältnis zur Gesellschaft essenziell.
Die doppelte »Berliner Lektion« zur Rolle der Neuen Musik in der Gesellschaft findet am 23. November 2008 statt. Peter Ruzicka spricht mit Helmut Lachenmann über »Musik als komponierte Botschaft. Zur Rolle der Neuen Musik in der Gesellschaft«.


Mit ihrer Arbeit als Anwältin in den Prozessen gegen Zwangsehen und Ehrenmorde an türkischen Frauen und mit ihren Veröffentlichungen zu diesem Thema ist Seyran Ate? bekannt geworden. Die in Deutschland aufgewachsene Frauenrechtlerin und Rechtanwältin, die sich hauptsächlich mit Straf-, Familienrecht und der Integrationsdebatte befasste, ist selbst Opfer der traditionellen Fatwa geworden. In einem Überfall wurde sie Objekt männlicher Gewalt im Dienste der traditionell gemeinten türkischen Familienpolitik. Aus Angst um ihr eigenes Kind und aus Entsetzen über solche Übergriffe hat Seyran Ate? ihre Anwaltszulassung zurückgegeben. Es wirkte wie eine öffentliche Protestaktion. Bundespräsident Köhler hat Seyran Ate? 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Inzwischen hat sie ihre Anwaltstätigkeit wieder aufgenommen. In den letzten Monaten hat sie sich öffentlich gegen den »Multikulti-Irrtum« (so der Titel ihres Buches) ausgesprochen. Gemeint ist die gescheiterte Einwanderungspolitik Deutschlands.
Die streitbare Intellektuelle, zuletzt ausgezeichnet mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit (2008), spricht am 14. Dezember über »Freiheiten und andere ›Luxusgüter‹«.


Durch diesen Film ist das Ausmaß der Judenvernichtung künstlerisch begriffen worden: der über neun Stunden dauernde Film Shoah (1985) von Claude Lanzmann dokumentiert mit der Kamera einzelne Schicksale der ungeheuerlichen Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Regime. Die Gespräche mit Betroffenen, Zeugen und Tätern liefern Beweise gegen das angebliche Nichtwissen von vielen. Der 83-jährige Regisseur, Philosoph, Verleger von »Les Temps Modernes«, selbst ein französischer Jude, der seinen Ruhm diesem filmischen Opus Magnum verdankt, sucht und untersucht die historischen Tiefenschichten Berlins seit der Nachkriegszeit und spricht am 18. Januar 2009 über »Berlin 1948 bis 2008. Von der Blockade bis zur Wiedervereinigung« (in Französisch, mit Simultanübersetzung).


Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz und bis 18. Februar 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, steht seit Jahrzehnten für Grundwerte und humanistische Moral. Großes Ansehen genießt er nicht nur unter den Katholiken. Er gilt als Liberaler und Vertreter der »zeitgenössischen« missionarischen Seelsorge. Bereits mit 32 Jahren hat der Philosoph und Theologe, der sich in jungen Jahren vor allem mit Martin Heidegger beschäftigte, den Lehrstuhl für katholische Dogmatik und Theologische Propädeutik in Mainz übernommen. Seine wichtigen Beiträge zu kirchenpolitischen Fragen und seine moralische Haltung brachten ihm 1983 die Bischofsweihe. 1987 wurde Lehmann Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Seine progressiven Ideen fanden nicht immer Zustimmung des Vatikans. So unterlag Bischof Lehmann in der Frage der Schwangeren-Konfliktberatung dem damals für Glaubensfragen im Vatikan zuständigen Kardinal Joseph Ratzinger. Seine auf Ökumene basierende und progressive Sicht hat Karl Lehmann auffällig lange auf seine Erhebung in den Kardinalsstand warten lassen. Im Januar 2001 erfolgte schließlich die Ernennung. In dieser Funktion nahm Karl Kardinal Lehmann im April 2005 an dem Konklave teil, das Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. wählte. Am 25. Januar 2009 spricht Kardinal Lehmann, der jetzt wieder als Bischof von Mainz amtiert, zur Begründungsnot von Grundwerten: »Was dagegen über allen Preis erhaben ist, das hat eine Würde.«


Ob er nach den neuesten Berliner Bauvorschriften je einen Auftrag für die deutsche Hauptstadt bekäme? Rem Koolhaas hat in vielen Städten seinen architektonischen Stempel hinterlassen. Ob die Kunsthalle in Rotterdam, das Guggenheim-Museum in Las Vegas, The Seattle Public Library, Prada-Geschäfte in Beverly Hills und New York, die Casa da Música in Porto oder die anlässlich der Olympischen Spiele gerade in Peking eröffneten Central Chinese Television Headquarters – Rem Koolhaas und sein Studio OMA prägen das Bild der Metropolen.
Der in Indonesien aufgewachsene 64-Jährige hat in London Architektur studiert und trägt mit vielen Büchern, Schriften und Veröffentlichungen (darunter »Delirious New York: A Retroactive Manifesto of Manhattan«, 1978) zur Bau-Debatte bei. Für seine Entwürfe wurde Koolhaas mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Pritzker-Preis. 2005 erhielt er den Mies van den Rohe Award for European Architecture für das Projekt der neuen Botschaft der Niederlande in Berlin. In Planung sind u.a. das McCormick Tribune Campus Center in Chicago und die kuratorische und architektonische Neuplanung der ca. 2000 Ausstellungsräume der Eremitage in Sankt Petersburg. Am 1. Februar 2009 kommt Rem Koolhaas zur »Berliner Lektion«: »Architektur der Differenz. The Project Hermitage 2014, St. Petersburg« (in Englisch mit Simultanübersetzung).


Alle Berliner Lektionen werden von den Berliner Festspielen und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius veranstaltet und finden jeweils sonntags um 11.30 Uhr im Renaissance-Theater statt.
Eintritt: € 8,–, ermäßigt € 5,–. Auch ein Abonnement für alle 7 Veranstaltungen wird wieder angeboten. (€ 49,–, ermäßigt € 35,–).
Der Kartenverkauf startet am 22. September um 14.00 Uhr.
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Termin

26.10.08 — 1.2.09
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