D 2007. R,B,S: Alexandra Westmeier. K: Inigo Westmeier. M:Arpad Bondy. P: Linger On. 85 Min.
Mutterseelen allein
Von Christian Lailach
Sie waren zwölf, saßen in der russischen Einöde und klauten im Dorfkonsum Marmelade, brachten den Nachbarsjungen um. Jetzt laufen sie Tag für Tag in der klirrenden Morgenkälte punkt acht fünfmal um den Appellplatz, formieren sich zu einem Block, dann Reihe für Reihe zurück in die Waschräume. So werden sie – egal ob Dieb oder Mörder – den Rest ihrer Kindheit Bett an Bett in einer Besserungsanstalt im Ural verbringen, betreut von russischen Matkas, die über die Einhaltung der Verhaltensregeln, das Zusammenfalten von Pappkartons und das Erledigen der Hausarbeiten wachen. Obendrein Verpflegung und ärztliche Betreuung, auf daß sie nach ihrer Entlassung – so meinen Volk und Statistik – kerngesund und strafmündig die nächste Schandtat begehen und endlich ihrer rechten Strafe zugeführt werden können. Diesmal unter härteren Bedingungen.
Voller Argwohn blickst du in Augen, die dir verhalten ihre Geschichten erzählen, Geschichten von kleinen Dummheiten, die sicher größere waren; Kinderaugen, die nach und nach immer tiefer blicken lassen. In ein Nichts voll erstarrter Sehnsucht. Sie scheinen sich erstmals geborgen zu fühlen, geborgen in einer disziplinierten Welt, aus der sie nicht mehr zurückwollen und dich irritiert zurück lassen.
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gesehen bei Crossing Europe in Linz
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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #51.