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Alles über meine Mutter

Todo sobre mi madre. E/F 1999. R,B: Pedro Almodóvar. K: Affonso Beato. S: José Salcedo. M: Alberto Iglesias. P: El Deeo S.A./Renn/France 2 Cinema. D: Cecilia Roth, Eloy Azorin, Marisa Peredes, Penélope Cruz u.a.
105 Min. Arthaus ab 4.11.99

Der Gott auf seiner Wolke

Von Christian Bartels Es muß umwerfend sein, zu filmen wie Pedro Almodóvar. Souverän aus Teenagern, die den Vater vermissen, und Müttern, die den Sohn verlieren, aus Autounfall und Organtransplantation, aus Theater und Liebe zum Theater und Wirklichkeit und wechselseitigen Bezügen, aus einer transsexuellen Prostituierten und einem Transvestiten, der nicht nur Nonnen schwängert, aus Aids und Alzheimer, Tod und Geburt, aus Drogensucht am Rande und einem Hauch von Katholizismus ein bewegendes Melodram zu komponieren, dieses mit schönen Frauen aller Altersstufen zu besetzen und nach sichtlichem Belieben in artifiziellen, stets ein wenig schrillen Dekors zu plazieren. Wer sich Filme ausdenkt, fordern Drehbuchtheoretiker, sollte seinen Figuren kein Problem ersparen, gerade weil er sie mag: Der ideale Autor schwebt wie ein griechischer Gott auf einer Wolke über seinem Plot und schaut liebevoll hinab. Diesem Status kommt Almodóvar so nah, wie sonst im europäischen Kino allenfalls noch Kaurismäki (der halt kein Südlander ist und ganz anders liebt), und es sei ihm gegönnt. Almodóvar hat sich sein Universum zusammengefilmt, in das man immer wieder gerne hineinschaut. Besonders gerne hinein schauen jene, die ohnehin mindestens einen Film am Tag anschauen. Almodóvars jüngere Filme sind Filmkritikerfilme. Wenn Manuela über die Organe ihres Sohns entscheiden muß, werden Erinnerungen ans La flor de mi secreto wach. Mehr Bedeutung hat die Sequenz nicht, sie ist ein loses Ende eines Films, der ansonsten viel zu wohlkomponiert ist, sich lose Enden zu leisten. Am Schluß taucht des toten Sohns Erzeuger auf. Sein Erscheinen fügt der Phantasie, um deren Macht es in guten Filmen immer auch geht, nichts hinzu. Außer der Gelegenheit für ausgebuffte Cineasten, Anklänge an Michael Caine aus Dressed to Kill zu erkennen. Wer seinen filmhistorischen Zitatenschatz beherrscht, Hinweise auf Mankiewicz und Co. zu interpretieren versteht und sich im Almodóvarschen Universum auskennt, hat das größte Vergnügen. Alle anderen mögen denken, daß etwas weniger Querverweise und edle Stilisierung den starken Gefühlen nicht geschadet hätte – und den Meister auf seiner abhebenden Filmgottwolke beneiden. Was den Spaß am Film freilich kaum trübt.

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.

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