Doppel-Moral
Von Sascha Seiler
Ist es nicht verwunderlich, daß es Filmklassiker gibt, an denen sich bestimmte Leute einfach nicht satt sehen können? Dialoge werden mitgesprochen, gegebenenfalls Songs mitgesungen, Posen imitiert. Und Geschichten erzählt. Darum geht es ja letztendlich.
Moral wird in Ein Pyjama für Zwei großgeschrieben, denn die Werbeagenturen von Doris Day und Rock Hudson konkurrieren untereinander, Hudsons auf dem schmierigen, zwielichten Wege, Day auf dem All-American Way. Als die Morallosen die Moralischen betrügen, gehen die vor Gericht, denn sie haben herausgefunden, daß Kunden durch weibliche Gefallen gekauft werden. Doch der windige Hudson findet natürlich einen Weg, die von ihm zwar nicht nominell geführte, aber doch kontrollierte Agentur vor dem Skandal zu schützen – er gibt der Hauptklägerin einen Werbespot für ein imaginäres Produkt. Jetzt wird durch ein Versehen der Werbespot zur besten Sendezeit gesendet: Ein Produkt muß her! Ein Nobelpreisträger soll dieses Problem lösen. Als die gegnerische Agentur davon Wind bekommt, will Day diesen bezirzen, für sich zu arbeiten. Doch sie verwechselt ihn mit Hudson…
Das ist der Ausgangspunkt für eine Verwechslungskomödie, in der es gleichsam spannend wie romantisch zugeht. Vor allem aber die überraschenden Wendungen und der Hollywood-Klamauk der 60er Jahre machen aus diesem Film einen großen Spaß. Gespickt mit den typischen Charakteren der klassischen Hollywood Komödie, der moralischen, aufrechten, naiven, aber letztendlich klugen jungen Dame und dem chauvinistischen, geschäftstüchtigen, aber dann doch innerlich herzensguten Macho. Denn natürlich wird der Lebemann bekehrt, die bürgerliche Moral aufrechterhalten, und selbst im Geschäftsleben triumphiert letztendlich der, der sich an die Regeln hält. So ist das nun mal.