Was Männer wissen sollten
Von Carsten Happe
Der Kampf der Geschlechter – seit jeher eines der dankbarsten Themen der Hollywood-Komödie. Insbesondere in der goldenen Zeit der großen Studios, als die
Woman of the Year den Männern das Leben schwer machte, als in der
Nacht vor der Hochzeit die Frage gestellt wurde, ob Männer und Frauen überhaupt zusammenpassen.
Die Liste der Filme ist lang, die Kluft zwischen den Geschlechtern ebenso tief. In
Was Frauen wollen erhält nun Mel Gibson die einmalige Möglichkeit, der anderen Seite zumindest einen Besuch abzustatten: Infolge eines elektrischen Schlags ist Nick Marshall, einer der kreativen Köpfe einer großen Werbeagentur, wundersamerweise in der Lage, die Gedanken der Frauen zu hören! Nach anfänglicher Irritation und einem erhellenden Besuch bei einer Therapeutin (die große Bette Midler in einer kleinen, feinen Rolle) erfaßt der bekennende Macho sein Potential und beginnt sein Privileg auszukosten – in jeder Hinsicht. Sind für ihn die Frauen zu Beginn nur Spielzeug, ein angenehmer Zeitvertreib, bewirkt sein Einblick in die weibliche Gedankenwelt mit der Zeit, daß er sich selbst auch welche macht (Gedanken nämlich). Zumal seine Gabe der Regisseurin Nancy Meyers und den Autoren nur Mittel zum Zweck ist, eine Lebenslektion zu erteilen.
Schlußendlich hat der ehemalige Chauvi dann auch gleich mehrere Seelen gerettet, einschließlich seiner eigenen, und der Film fügt sich hervorragend in den aktuellen Hollywoodtrend, seinen Leading Men eine zweite Chance zu offerieren: sei es der familienmenschelnde Nicolas Cage, der verschollene Tom Hanks oder nun der geläuterte Mel Gibson – nie ist es zu spät für den Wandel. Bis dahin allerdings erleben wir einen furios aufspielenden Gibson, der nach den eher risikoarmen
Lethal Weapon 4 und
Der Patriot und dem letztendlich mißglückten Bad Boy-Auftritt in
Payback hier seinen ganzen Charme versprüht. Exzellente Nebendarsteller wie Alan Alda, Marisa Tomei oder Mark Feuerstein verhindern zwar eine One-Man-Show, nichtsdestotrotz ist
Was Frauen wollen von der ersten Minute an komplett auf seinen Star zugeschnitten. Unvergeßlich wird seine perfekt choreographierte Tanzeinlage bleiben, die er im Geist eines Fred Astaire oder Gene Kelly darbietet. In solchen Szenen klingt immer wieder die erwünschte Verwandtschaft zu den großen Screwball Comedies der 30er und 40er Jahre an, die der Film heraufbeschwören möchte – auch der fantastische Soundtrack mit Frank Sinatra-Standards deutet in diese Richtung – man mag sich allerdings gar nicht vorstellen, welche Dialogperlen einem Ernst Lubitsch oder Billy Wilder zu diesem Sujet eingefallen wären.
Sei's drum, auch
Was Frauen wollen bietet über weite Strecken entlarvende Einsichten (Gibsons Sekretärinnen!) und temporeichen Witz in einer sehr professionellen und mitunter gar einfallsreichen Inszenierung. It's got that swing!